Gezittert wie Espenlaub

Ich fuhr auf dem Fahrradweg entlang der Hauptstraße in Haltern am See. Von links kam eine Stichstraße direkt hinter einem Haus. Die Autofahrer, die von dort aus kommen, müssen sich immer ganz langsam vortasten, damit sie vor den Radfahrern und Fußgängern, die eventuell auf dem Fahrradweg fahren, noch bremsen können. Mein Fehler war, dass ich damit gerechnet habe, dass die Autofahrer, die aus dieser Straße herauskommen, im Schritttempo fahren.

So aber nicht die Autofahrerin eines weißen Nissan Micra. Sie erwischte mein Fahrrad "volle Breitseite" und ich landete erst auf ihrer Motorhaube und dann auf dem Asphalt. Zum Glück ist mir nichts geschehen und ich hatte nur leichte Kratzer. Der Wagen, der mich angefahren hatte, war so flott unterwegs, dass er erst 2 Meter nach dem Zusammenstoß zum Stehen kam.

Hinaus stieg eine etwa 50 Jahre alte Frau, die am ganzen Leib so stark zitterte, dass ihr fast das Handy aus der Hand gefallen wäre. Das hört sich jetzt schon ein wenig komisch an, aber ich war derjenige, der diese Frau beruhigen und ihr empfehlen musste, sich doch kurz hinzusetzen und ein wenig Luft zu schnappen. Ist ja noch nichts besonderes - ist bestimmt schon vielen Leuten so ergangen. Ich kannte aber ihren Sohn und der erzählte mir ungefähr eine Woche später, dass seine Mutter zu Hause erzählte, sie hätte einen Fahrradfahrer angefahren und "der hat so richtig schön den Adler gemacht."

Da tat mir die Frau aber erbärmlich Leid. Erst zittern wie Espenlaub und später vor den Kindern und Bekannten die Geschichte so erzählen, als wäre man die Ruhe selbst. Übrigens musste ich 4 Monate auf mein Geld (fürs Fahrrad) warten, dass mir nicht zustand, weil ich auf der linken Straßenseite gefahren bin. Bei einem solchen Unfall hat der Fahrradfahrer Teilschuld. Gut, dass diese Frau es nicht wusste ...

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